Powered Solutions: Kundenspezifisches Engineering auf Einsatzniveau

Executive Summary

Der Bereich Powered Solutions von B&W International steht für kundenspezifische Energie- und Systemlösungen, die exakt auf reale Einsatzanforderungen zugeschnitten sind. Wie aus außergewöhnlichen Einsatz- und Nutzungsanforderungen belastbare, seriennahe Lösungen entstehen, erläutert Martin Weisser, Head of Research, Powered Solutions & Development, im Interview. 

Auf Basis bewährter Systeme entstehen modulare, sofort einsatzbereite Lösungen für anspruchsvolle Anwendungen in Defence, BOS und Industrie. Durch die enge Verzahnung von Engineering und Produktion werden auch komplexe Anforderungen in kurzer Zeit umgesetzt. Das Ergebnis: zuverlässige Systeme, die unter extremen Bedingungen funktionieren und echten Mehrwert im Einsatz liefern.

„Das Maß der Dinge? Die Vorstellungswelt unserer Kunden.“

Was muss ein Produkt können? Was ist technisch machbar – und was im realen Einsatz wirklich sinnvoll? Mit dem Bereich Powered Solutions entwickelt B&W International kundenspezifische Systemlösungen für Anforderungen, die jenseits klassischer Standards liegen. Wie aus außergewöhnlichen Einsatz- und Nutzungsanforderungen belastbare, seriennahe Lösungen entstehen, erläutert Martin Weisser. Als Head of Research, Powered Solutions & Development verantwortet der studierte Maschinenbauer und Fahrzeugtechnikingenieur die Entwicklung hochgradig individueller sowie praxisnaher Koffer- und Systemlösungen – von der Idee bis zur Umsetzung unter realen Einsatzbedingungen. 

Was macht der Bereich Powered Solutions, Herr Weisser?

Bei uns geht es um kundenspezifisches Engineering, das eng mit einer speziell für diesen Bereich aufgestellten Produktionsabteilung verzahnt ist. Wir verstehen uns als Ingenieurteam mit klarer Umsetzungsorientierung – von der Konzeptphase über die Entwicklung bis hin zur Montage seriennaher Systeme. Ausgangspunkt vieler Projekte sind unsere etablierten Standardsysteme, etwa Energy.Cases, Starlink.Cases oder technische Transportlösungen. Diese dienen häufig als erster Anknüpfungspunkt für Kunden, die sagen: Das passt grundsätzlich – wir brauchen es aber angepasst an unsere Anforderungen. Auf dieser Basis entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden individuelle Systeme, die funktional, mechanisch und energetisch exakt auf den jeweiligen Einsatzzweck zugeschnitten sind. So entstehen bei uns sowohl bewährte Standardsysteme als auch hochgradig kundenspezifische Lösungen – immer mit dem Anspruch, dass sie technisch durchdacht sind und unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren.

Was bedeutet das konkret? Für welche Anwendungsfelder sind Ihre Sonderlösungen prädestiniert?

Nehmen wir unsere B&W energy.cases: Für den Einsatz im Defence-Bereich müssen mobile Energie- und Versorgungssysteme nicht nur außergewöhnlich robust sein, sondern zugleich flüsterleise, vibrationsarm und so einfach im Handling, dass sie selbst unter härtesten Einsatzbedingungen und in unterschiedlichsten Umgebungen zuverlässig betrieben werden können. Gerade im militärischen Umfeld spielen praxisnahe Transport-, Energie- und Logistiklösungen eine zentrale Rolle. Gefragt sind Systeme, die sich nahtlos in bestehende Strukturen einfügen, schnell einsatzbereit sind und unter extremen Bedingungen dauerhaft funktionieren – unabhängig davon, ob sie stationär, mobil oder wechselnd eingesetzt werden.

Wie entwickeln Sie die dafür erforderlichen Produkte?

In vielen Projekten bauen wir auf bestehenden B&W-Systemmodulen auf und entwickeln diese gezielt weiter. Das erlaubt uns, in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Lösungen zu realisieren, ohne bei null zu beginnen. Unsere energy.cases lassen sich beispielsweise mit unterschiedlichen Akkutechnologien, Leistungsstufen und Speicherkapazitäten ausstatten – abhängig davon, welche Anforderungen an Einsatzdauer, Gewicht, Temperaturbereich oder Ladeverhalten gestellt werden. Gerade bei extremen Umgebungsbedingungen, etwa bei sehr niedrigen Temperaturen, brauchen wir Zellchemien und Systemarchitekturen, die unter diesen Bedingungen zuverlässig funktionieren.

Wie weit reicht der Spezialisierungsgrad bei diesen Lösungen?

Der Maßstab ist immer der konkrete Einsatzzweck. Wir integrieren genau die Hardware- und Softwarekomponenten, die dafür erforderlich sind – nicht mehr und nicht weniger. Das kann von spezifischen Steuer- oder Überwachungsfunktionen über Remote-Zugriffe bis hin zu individuell gestalteten Anzeige- und Bedienkonzepten reichen. Entscheidend ist, dass das System für den Anwender intuitiv bedienbar bleibt und im Einsatz einen echten Mehrwert bietet.

Und wenn der Koffer nicht passt …?

Dann wird er angepasst. In einzelnen Projekten haben wir Koffer mechanisch gezielt modifiziert, etwa um strenge Gewichts- oder Bauraumvorgaben einzuhalten.

Wie lange dauert es in der Regel, bis eine von Ihnen entwickelte Lösung einsatzbereit ist?

Die Entwicklungszeit hängt stark von der Aufgabenstellung ab, liegt aber häufig im Bereich weniger Wochen. Als Industriepartner von NATO-Streitkräften entwickeln wir zertifizierte Systemlösungen für zahlreiche Einsatzszenarien. Entscheidend ist, dass wir Entwicklung, Engineering und Umsetzung sehr eng verzahnt haben. Dadurch können wir auch komplexe Systeme vergleichsweise schnell realisieren, ohne Abstriche bei Qualität oder Einsatzreife zu machen. Ein Beispiel ist ein Projekt für einen Hersteller von Aufklärungs- und Einsatzdrohnen, bei dem wir innerhalb von rund sieben Wochen eine vollständig einsatzfähige, kundenspezifische Lösung konzeptioniert, entwickelt und gebaut haben.

Worum ging es bei diesem Projekt?

Entwickelt wurde ein Spezialkoffer, der nicht nur die sensiblen Komponenten eines anspruchsvollen Drohnensystems schützt, sondern zugleich die komplette Energie- und Ladeinfrastruktur integriert. Dazu gehörten unter anderem Ladegeräte mit aktiver Temperaturführung für die Akkus sowie weitere Elemente. Ein wesentlicher Vorteil unserer Lösungen besteht darin, dass Hochleistungsakkus sicher transportiert und im einsatzbereiten Zustand vorgehalten werden können. Das verkürzt Vorbereitungszeiten, erhöht die operative Verfügbarkeit der Systeme und vereinfacht die logistischen Abläufe im Einsatz erheblich.

Sie bündeln im Bereich Powered Solutions die Engineering-Kompetenz Ihres Unternehmens. Wie profitieren Ihre Kunden von dieser Innovationskraft?

Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden hinterfragen wir bestehende Lösungsansätze früh und entwickeln sie gezielt weiter. Oft geht es nicht darum, etwas völlig Neues zu erfinden, sondern bekannte Technologien so zu kombinieren und zu skalieren, dass sie unter realen Einsatzbedingungen echten Mehrwert liefern. Ein Beispiel ist ein Projekt für ein deutsches Defence-Unternehmen, das an einem neuartigen Aufklärungs- und Sensorsystem arbeitet. Hier haben wir eine modulare Energielösung entwickelt, bei der mehrere B&W energy.cases miteinander gekoppelt werden können. Auf diese Weise lässt sich die verfügbare Energie flexibel an den jeweiligen Einsatz anpassen – ohne schweres Equipment und mit hoher Ausfallsicherheit.

Das braucht es vermutlich auch, denn KI-basierte Systeme haben einen hohen Energiebedarf …

Das ist richtig. Mit zunehmender Rechenleistung steigen die Anforderungen an eine stabile, mobile Energieversorgung deutlich. Unser Ansatz ist es, leistungsfähige Rechen-, Steuer- und Kommunikationssysteme möglichst nah am Einsatzort zu betreiben und sie zuverlässig mit Energie zu versorgen. Dafür entwickeln wir kompakte, dezentrale Systeme, in denen Hochleistungsakkus, Energieverteilung und Steuerung in einem robusten Gehäuse zusammengeführt werden. Genau an solchen Lösungen arbeiten wir aktuell intensiv.

Wer nutzt Ihre Kompetenz im Bereich Powered Solutions darüber hinaus?

Neben Defence-Anwendungen arbeiten wir unter anderem für das THW, Feuerwehren, Katastrophenschutzorganisationen sowie für Event- und Industriekunden. Die Anforderungen reichen von temporärer Energieversorgung über mobile Technikplattformen bis hin zu sehr speziellen Einzelanwendungen. Dass unsere Lösungen nicht immer aus klassischen Einsatzszenarien entstehen, zeigt ein Projekt für den Betreiber schwimmender Hüpfburgen und Rutschen, für den wir eine wasserdichte Energielösung umgesetzt haben. Unsere Koffer sind dafür konstruktiv bereits ab Werk ausgelegt – manchmal ergeben sich daraus sehr unerwartete, aber technisch spannende Anwendungen.

Über Martin Weisser

Martin Weisser, Head of Research, Powered Solutions & Development bei B&W International

Martin Weisser prägt bei B&W International den Aufbau und die strategische Ausrichtung des Bereichs Powered Solutions. Er steht hinter zentralen Entwicklungen im Bereich autarker Energie- und Defence-Systeme. Die Lösungen des Plug-&-Protect-Programms tragen seine Handschrift: funktional, einsatznah und technisch auf höchstem Niveau. Als studierter Maschinenbau- und Fahrzeugtechnikingenieur leitet er den Bereich Powered Solutions sowie die technische Entwicklung.

In seiner Laufbahn arbeitete er an Projekten zur Fahrzeugpanzerung und zum Feldlagerschutz, absolvierte seinen Master in Fahrzeugtechnik und gründete das Unternehmen Tronos, das heute Teil der B&W-Gruppe ist.